Intro: Was ist ein Aufbohrschutz?
Tipp 1: Warum ist Aufbohrschutz so wichtig?
Tipp 2: Wie funktioniert der Aufbohrschutz?
Tipp 3: Relevante Normen und Zertifizierungen (DIN, EN, VdS)
Tipp 4: Woran erkennt man einen Zylinder mit Aufbohrschutz?
Tipp 5: Unterschiede zwischen einfachen und hochwertigen Zylindern
Tipp 6: Produktbeispiele mit effektivem Aufbohrschutz
Fazit: Der Aufbohrschutz ist essentiell und ein Qualitätsmerkmal
Was ist ein Aufbohrschutz? Aufbohrschutz bezeichnet eine Sicherheitsmaßnahme im Schließzylinder, die das gewaltsame Aufbohren des Schlosses erheblich erschwert. Genauer gesagt schützt er den Zylinderkern (das Innenteil, in das der Schlüssel gesteckt wird) und oft auch das Zylindergehäuse vor Bohrangriffen.
Ohne diesen Schutz könnten Einbrecher die im Zylinder befindlichen Stifte einfach wegbohren, den Mechanismus zerstören und so den Zylinder drehen, um die Tür zu öffnen. Beim Aufbohren wird meist versucht, mit einem Metallbohrer die Sperrstifte im Schlosskern zu entfernen.
Schließzylinder ohne Bohrschutz lassen sich so in kurzer Zeit öffnen – oft reicht schon ein normaler Akkuschrauber aus.
Aufbohrgeschützte Zylinder setzen dem Bohrer hingegen besondere Hindernisse entgegen: Stifte oder Platten aus extrem hartem Material, die sich nur aufwendig durchbohren lassen.
Das Ziel ist klar – dem Einbrecher Zeit und Werkzeugkosten, bis er frustriert aufgibt. Denn je länger ein Bohrangriff dauert und je mehr Lärm er macht, desto größer das Risiko, entdeckt zu werden.
Ein guter Aufbohrschutz soll den „schnellen Einbruch per Bohrer“ so unattraktiv wie möglich machen. Oftmals geben Täter dann auf und suchen sich ein leichteres Ziel.
Warum ist Aufbohrschutz so wichtig? Statistiken und Erfahrungsberichte von Sicherheitsbehörden zeigen: Einbrecher greifen immer wieder zum Bohrer, wenn Schlösser nicht ausreichend geschützt sind. Im Vergleich zu komplizierten Öffnungsmethoden wie Lockpicking ist Bohren schnell und erfordert keine besonderen Fachkenntnisse.
Besonders Standard-Türzylinder mit reinen Messing-Stiften bieten kaum Widerstand – gewöhnliche Stahlbohrer fräsen sie im Handumdrehen weg. Die Folge: Ohne Aufbohrschutz kann ein Schloss in ein bis zwei Minuten überwunden werden. Für Ihr Zuhause bedeutet das ein hohes Risiko. Ein Schließzylinder mit Aufbohrschutz erhöht die Einbruchhemmung erheblich. Die harten Schutzstifte aus Stahl oder Hartmetall sind mit einfachen Werkzeugen kaum zu zerstören. Ein Täter bräuchte spezielles Equipment, viel Zeit und erzeugt enormen Lärm – alles Faktoren, die abschrecken. Experten raten daher dringend, Hauseingänge ausschließlich mit Zylindern zu versehen, die einen hochwertigen Aufbohrschutz besitzen. Dies gilt besonders für Wohnungs- und Haustüren, die bevorzugte Ziele von Einbrechern sind.
Zusätzlich verlangen viele Versicherungen bei hochwertigen Sicherheitstüren, dass profilzylindrische Schlösser über bestimmte Schutzmerkmale wie Bohrschutz verfügen. Im Ernstfall (Einbruch) kann das Fehlen solcher Schutzmaßnahmen sogar die Versicherungsleistung beeinflussen.
Zusätzliche Gründe, warum Aufbohrschutz unverzichtbar ist: 🔧 Bohrer statt Dietrich: 80 % der Einbrecher wählen die Methode mit dem geringsten Aufwand, und das ist in vielen Fällen das Bohren.
🧱 Standardzylinder sind leichte Beute: Viele Türen sind mit einfachen Zylindern ausgestattet, die keinen oder nur minimalen Schutz bieten.
🚨 Lautes Bohren = hohes Entdeckungsrisiko: Ein Aufbohrschutz verlängert die Angriffszeit deutlich – und je länger es dauert, desto eher geben Täter auf.
🛡️ Abschreckung durch Widerstand: Schon der Hinweis auf zertifizierte Schließtechnik schreckt viele Gelegenheitsdiebe ab.
💸 Versicherungsschutz nur bei geprüfter Sicherheit: Viele Versicherer fordern explizit Schutzmaßnahmen wie Aufbohrschutz – ohne ihn kann es im Schadensfall teuer werden.
🧠 Sicherheitsvorsprung durch Technik: Moderne Zylinder mit Aufbohrschutz kombinieren oft mehrere Schutzmechanismen – z. B. auch gegen Ziehen oder Abbrechen.
🔍 Empfehlung von Polizei und Fachleuten: Sicherheitsberater und Kriminalpolizei setzen auf mechanische Hürden – allen voran den Aufbohrschutz.
Wie funktioniert der Aufbohrschutz? Mechanisch setzt ein Aufbohrschutz auf extreme Härte und clevere Konstruktion. In einem geschützten Schließzylinder sind an kritischen Stellen gehärtete Elemente integriert, die Bohrer abbremsen oder ablenken. Gängige Mechanismen sind unter anderem:
Gehärtete Stahlstifte: Anstelle normaler Messingstifte kommen an ein oder mehreren Positionen spezielle Stahlstifte mit sehr hoher Härte zum Einsatz. Diese liegen oft im Zylinderkern (in den oberen oder unteren Stiftkanälen) und/oder im Gehäuse genau gegenüber. Trifft der Bohrer auf diese Stifte, wird er stumpf oder bricht ab. Einfaches Messing würde der Bohrspitze dagegen wenig entgegensetzen. Viele Standard-Profilzylinder haben zumindest einen solchen gehärteten Stift (man spricht dann von Anbohrschutz ). Erst mehrere gehärtete Stiftpaare gelten als echter Aufbohrschutz und kennzeichnen einen qualitativ hochwertigeren Zylinder. Hartmetallplatten: Einige Zylinder besitzen an der Stirnseite (dort, wo der Schlüssel eingeführt wird) oder im Inneren flache Plättchen aus Hartmetall (z. B. aus Wolframkarbid). Dieses Material ist deutlich härter als gewöhnlicher Werkzeugstahl. Bohrer „beißen“ sich daran sprichwörtlich die Zähne aus – selbst spezielle HSS- oder Hartmetallbohrer kommen nur langsam voran. So eine Bohrschutzplatte deckt oft den empfindlichen Kern ab und schützt ihn vor frontalem Anbohren. Dreh- und Freilauf-Elemente (Kugeln, Rollen): Sehr ausgeklügelte Zylinder setzen zusätzlich drehbare Hartmetallkugeln oder Rollen ein. Diese werden an der Vorderseite oder in Stiftkanälen verbaut. Versucht man zu bohren, fängt die Bohrspitze an der harten Kugel an zu rutschen – die Kugel dreht sich frei und der Bohrer greift ins Leere. Solche Bohrschutzkugeln erhöhen den Widerstand enorm, da sie Bohrversuche frustrierend unwirksam machen. Bohrschutzbrücke / -kern: Bei manchen High-End-Zylindern wird der gesamte Kern durch einen verstärkten Steg (Brücke) aus Hartmetall gesichert. Dieser verbindet die harten Stifte zu einer Einheit, die selbst bei teilweise weg gebohrten Stiften das Drehen des Zylinders verhindert. Auch spezielle Formen von Gehäuseverstärkungen an der Zylinderfront (etwa ringförmige Einsätze aus gehärtetem Stahl) zählen hierzu. In der Praxis kombinieren hochwertige Sicherheitsschlösser mehrere dieser Maßnahmen.
Relevante Normen und Zertifizierungen (DIN, EN, VdS)
Damit Verbraucher die Sicherheit eines Schließzylinders einschätzen können, gibt es Normen und Prüfzeichen, die auch den Bohrschutz betreffen. In Europa ist primär die DIN EN 1303 relevant – eine Norm für Profilzylinder. Darin gibt es unter anderem eine Klassifizierung der Widerstandsfähigkeit gegen Angriffe. Ein Zylinder kann zum Beispiel die Angriffswiderstandsklasse 2 nach EN 1303 erreichen, wenn er über definierte Bohrschutz-Merkmale verfügt. Klasse 2 ist hierbei die höhere Stufe (Klasse 0 wäre kein Schutz).
In Deutschland existiert ergänzend die DIN 18252, die früher Begriffe wie Zylinderklasse P2 und P3 verwendete. Ein Profilzylinder der Klasse P3 entsprach einem Produkt mit Bohr- und Ziehschutz (oft als BZ abgekürzt). Heute wird meist direkt mit EN 1303 oder den VdS-Klassen gearbeitet, aber in technischen Daten tauchen P2/P3 mitunter noch auf. Wichtig zu wissen: Bohrschutz wird häufig mit dem Kürzel „BS“ (Bohrschutz) oder „BZ“ (Bohr- und Ziehschutz) angegeben.
VdS-Zertifizierungen sind Prüfzeichen einer unabhängigen deutschen Prüfinstitution (VdS = Vertrauen durch Sicherheit). Für Schließzylinder gibt es z. B. VdS-Klasse A, B und BZ. Hier steht VdS BZ für einen Zylinder mit geprüftem Bohr- und Ziehschutz, also dem höchsten Schutzgrad.
Weitere Gütezeichen: In den Niederlanden ist SKG gebräuchlich, wo drei Sterne (SKG ) die höchste Klasse markieren. Oftmals tragen erstklassige Produkte gleich mehrere Zertifikate – etwa ein Zylinder, der nach EN 1303 Klasse 2 zertifiziert und zusätzlich VdS-anerkannt ist.
Woran erkennt man einen Zylinder mit Aufbohrschutz? Auf den ersten Blick sieht man einem Schließzylinder den Aufbohrschutz oft nicht sofort an – schließlich sind die entscheidenden Stifte und Elemente im Inneren verbaut. Dennoch gibt es ein paar Indizien:
Prüfzeichen und Aufdrucke: Manche hochwertigen Schließzylinder tragen außen kleine Markierungen, z. B. das VdS-Logo oder eine Klassenangabe. Ein Aufdruck „BZ“ oder „BS“ kann ebenfalls darauf hinweisen. Sichtbare Stahlpins an der Stirnseite: Viele Zylinder mit Bohrschutz verraten sich bei genauem Hinsehen in der Schlüssel-Einführungsöffnung. Dort sind manchmal kleine dunkle Punkte oder metallisch glänzende Enden sichtbar – das können die Köpfe gehärteter Stahlstifte oder Hartmetalleinsätze sein. Produktbeschreibung des Herstellers: Der sicherste Weg ist, das Datenblatt oder die Verpackung zu prüfen. Hersteller werben in der Regel aktiv mit Bohrschutz, wenn er vorhanden ist. Preis und Qualitätsstufe: Einfacher Baumarktzylinder für 5 – 10 € haben selten umfassenden Bohrschutz oder Sicherheitsmerkmale. In höheren Preis- und Qualitätsklassen (ab ca. 50 – 150 € aufwärts) gehört ein gewisser Bohrschutz meist zum Standard. Unterschiede zwischen einfachen und hochwertigen Zylindern Einfache Zylinder: Günstige Schlösser (oft No-Name oder Basis-Serien) haben mit unter gar keinen Bohrschutz oder nur einen minimalen Anbohrschutz . Das heißt, vielleicht ein gehärteter Stift ist vorhanden, was aber geübte Einbrecher kaum aufhält. Diese Zylinder erfüllen meist nur Grundsicherheitsstandards. Ihre Fertigungsqualität ist einfacher, und neben fehlendem Bohrschutz haben sie oft auch keinen Ziehschutz oder Pickingschutz.Hochwertige Zylinder: Marken-Sicherheitszylinder verfügen über mehrere Schutzmechanismen. Wie oben beschrieben, kommen mehrere gehärtete Stifte, Hartmetallplatten und Ähnliches zum Einsatz. Solche Zylinder erreichen hohe Klassifizierungen (EN 1303 Klasse 2, VdS BZ etc.) und widerstehen Bohrangriffen deutlich länger. Hochwertige Zylinder erkennt man oft auch an anderen Merkmalen: komplexere Schließmechanismen (z.B. mehrere Stiftreihen, Seitenleisten), Pickingschutz durch spezielle Stiftformen und ein geschütztes Schlüsselprofil.Produktbeispiele mit effektivem Aufbohrschutz KESO 8000 Omega²: KESO bietet mit der Serie 8000 Omega² einen modularen Schließzylinder an, der bereits in der Basisausführung VdS Klasse A erfüllt. Dieses Modell verwendet gehärtete Zuhaltungsstifte und Hartmetalleinlagen im Rotor, um Aufbohrversuche zu vereiteln.DOM ix TwinStar (mit Bohrschutz, Testsieger bei Warentest): Die DOM ix Serie aus Deutschland ist bekannt für komplexe Schlüssel mit seitlichen Codierungen. Das Modell DOM ix TwinStar (oder vergleichbare aktuelle DOM-Zylinder) bietet neben Picking- und Kopierschutz auch einen soliden Aufbohrschutz. Im Test von Stiftung Warentest war ein DOM-Zylinder Testsieger und wurde als „sehr gut“ in puncto Bohr- und Ziehschutz bewertet. DOM setzt auf mehrere gehärtete Kernstifte und Gehäusestifte. Zusätzlich haben viele DOM-Profile integrierte Stahlbrücken im Zylinder. Ein besonderes Merkmal ist hier die Not- und Gefahrenfunktion (Schloss beidseitig schließbar), die trotz Bohrschutz vorhanden ist – was zeigt, dass Sicherheit nicht auf Kosten des Komforts gehen muss.Iseo F6 Extra: Für rund 30–40 Euro bekommt man einen Zylinder, der durch gehärtete Stahlstifte im Kern und Gehäuse guten Basisschutz bietet. Für Budget-bewusste Hausbesitzer ein solider Kompromiss.
Der Aufbohrschutz ist essentiell und ein Qualitätsmerkmal Aufbohrschutzmag nach technischem Detail klingen, doch für unsere Haussicherheit ist er vongroßer Bedeutung. Ein Schließzylinder mit effektivem Aufbohrschutz kann den Unterschied ausmachen, ob ein Einbrecher erfolgreich ist oder frustriert aufgibt. Zum Glück gibt es heute eine breite Auswahl solcher Zylinder für jeden Geldbeutel – von soliden Standardlösungen bis zu High-End-Produkten mit maximalem Widerstand. Achten Sie beim nächsten Schlosskauf gezielt auf Begriffe wie Bohrschutz/Aufbohrschutz , entsprechende Normangaben (DIN EN 1303 Klasse 2, VdS etc.) und vertrauen Sie bevorzugt etablierten Herstellern. So stellen Sie sicher, dass Ihre Tür dem „Bohrerangriff“ standhält und Sie ruhig schlafen können.
Bleiben Sie sicher und schenken Sie Ihrem Türschloss ruhig ein wenig Aufmerksamkeit – es ist die erste Verteidigungslinie Ihres Zuhauses!
Sollen Sie Beratung oder ein Schloss mir Aufbohrschutz benötigen, so sind Sie bei unserem Schlüsseldienst an der richtigen Adresse!
K&I Schlüsseldienst & Schließtechnik GmbH
Sicherheitsexperte